Heimatverein freut sich über Mitgliederzuwachs im Jubiläumsjahr 2019

Zur Mitgliederversammlung, die alle zwei Jahre stattfindet, begrüßte Vorsitzender Manfred Gelhaus über 90 Mitglieder im Saal Dieckhaus; namentlich Bürgermeister Gerd Meyer und als Ehrengäste Bürgermeister Alfred Kuhlmann aus Goldenstedt mit Ehefrau Elisabeth. Die Heimatfreunde erlebten zunächst eine Premiere:

Im Saal wurde der Film vom großen Festumzug am 01. September gezeigt. Einem Gedenken an verstorbene Mitglieder folgte ein Jahresbericht des Vorsitzenden. Gelhaus erinnerte an zahlreiche Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Der Heimatverein hat mit aktuell 1095 Mitgliedern einen realen Zuwachs, konstatierte der Vorsitzende.

Schriftführer Bernd Koopmeiners erwähnte in den Jahresberichten für 2018 und 2019 die Heimatnachmittage, den „Tag des Baumes“ und den „Tag des offenen Denkmals“ (2018) mit dem „Opfertisch“ in Engelmannsbäke und der Endeler Kapelle von 1694 und 2019 mit der St. Antonius-Kirche und dem Ehrenmal in Rechterfeld. Der Heimatverein beteiligte sich auch am Jubiläum des Heimatbundes am 22. Juni im Museumsdorf in Cloppenburg und am 29. Juni beim Gogerichtstag auf dem Desum. In Rechterfeld, Bullmühle, Ägypten/Norddöllen und in Visbek wurden Info-Tafeln aufgestellt. Der neue Visbeker Auskündiger, das 25. Jahresheft, erscheint um Nikolaus (06. Dezember) als Jubiläumsausgabe mit 153 Seiten. In Visbek und in den Bauerschaften der Gemeinde erhalten die Mitglieder das Jahresheft 2019 durch Verteiler.

Informative Berichte aus Fachgruppen (FG) folgten: von Magdalena Gelhaus über die absolvierten Bildungsfahrten und die „Sütterlin-Gruppe“. Von Martin Büssing übernimmt Eduard Langfermann die Leitung der FG Bildungsfahrten. Bernd Lammers vermittelte die Jahresbilanz der Radwandergruppe. Gerbert Schmedes, Leiter der FG Archäologie, berichtete über die FG und das ArchäoVisbek. Dort erhielten seit der Eröffnung am 04. Mai 2018 über 3000 Besucher/innen eine Führung. Positive Resonanz fand auch der „Tag der Archäologie“. Franz-Josef Debbeler erläuterte die Archivierung historischer Fotos; er hat u.a. zahlreiche Abschlussklassen der damaligen Volksschule Visbek (Gerbertschule) dokumentiert. Debbeler betonte, für die Foto und Film FG sei die Zuordnung von Personennamen wichtig, aber oft nicht einfach. Erwin Stubbe schilderte zahlreiche Aktivitäten der „Warkstäe för Plattdütsch“ für Kinder und Erwachsene.

Kassenwart Klaus-Peter von Lehmden erstattete einen Kassenbericht mit positiven Zahlen. Rechnungsprüfer Hubert Thölke bestätigte eine vorbildliche Kassenführung. Er beantragte die Entlastung von Kassenwart und Vorstand, die dann einstimmig erfolgte. Beisitzer Bernd Schlarmann begründete eine Satzungsänderung und Ergänzung im Rahmen der Datenschutz-Grundverordnung. Die Mitglieder votierten einstimmig für beide Anträge. Einladungen sollen in Zukunft auch „online“ erfolgen.

Bürgermeister Gerd Meyer übermittelte in seinem Grußwort den Dank von Rat und Verwaltung. Meyer lobte die ehrenamtliche Arbeit für die Gemeinde im Heimatverein mit dem Prädikat „besonders wertvoll“. Bürgermeister Alfred Kuhlmann, Goldenstedt, vorher langjähriger Hauptamtsleiter im Rathaus Visbek, erhielt als Anerkennung für zielführende Zusammenarbeit und Unterstützung ein Präsent vom Heimatverein; Ehefrau Elisabeth freute sich über einen Blumenstrauß. Bernd Lammers, bewährter Leiter der Radwandergruppe, wurde für 25 Jahre beispielhaften Einsatz im Heimatverein besonders gewürdigt; Ehefrau Maria Lammers erhielt vom Vorsitzenden Manfred Gelhaus einen Blumenstrauß.

Text und Foto: Bernd Koopmeiners

Begingen gemeinsam mit Jubiläums-Mitgliederversammlung: (von links) Visbeks Bürgermeister Gerd Meyer, Maria Lammers, Bernd Lammers, Elisabeth Kuhlmann, Goldenstedts Bürgermeister Alfred Kuhlmann und Manfred Gelhaus.

Rennofentage

Experimentelle Archäologie - Eisenverhüttung wie vor 1200 Jahren

Sechs Hobby-Archäologen vom Sachsenhof Greven-Pentrup waren der Einladung des Heimatvereins Visbek gefolgt, um in einem Workshop zu zeigen, wie unsere Vorfahren noch im ersten Jahrtausend nach Christi Eisen gewonnen und verarbeitet haben. Dieses Verfahren fand sowohl bei den Kelten, Römern, Germanen als auch bei anderen Völkern seit etwa 700 vor bis 1000 Jahre nach Christi Anwendung. Benötigt wurde das gewonnene Eisen für die Herstellung von Waffen, Ackergeräten, Werkzeugen, sonstigen Gebrauchsgegenstände und auch Schmuck.

Am ersten von drei Workshoptagen wurde eine Fläche auf dem Eikenhoff an der Rechterfelder Straße für den Ofenbau vorbereitet: Lehm für die Bau der sogenannten Rennöfen wurde angefahren, Herdgruben ausgehoben, Raseneisenerz und Brennmaterial wurden bereitgestellt. Den meisten Besuchern unbekannt war die Tatsache, dass sich auch in der Gemeinde Visbek an fast allen Bächen und in den Niedrigauen über die Jahrtausende hinweg Eisenerz gebildet hat und dieses sich für die Eisengewinnung eignet.

Am zweiten Tag wurde Lehm mit frischem Gras vermengt und geknetet, um daraus zwei Rennöfen zu formen. Auf einem „Scheiterhaufen“ wurde das Raseneisenerz „geröstet“. Dadurch wurde dem Rohmaterial Wasser entzogen und es so brüchig gemacht. In mühsamer Handarbeit wurde das Raseneisenerz dann mit dem Hammer in etwa ein bis zwei Zentimeter dicke Brocken zerkleinert, um den späteren Schmelzvorgang zu beschleunigen.

Am letzten Tag, um fünf Uhr in der Früh, wurden die Rennöfen mit Holzkohle befüllt und auf Temperatur gebracht. Wechselschichtig folgte die Befüllung mit Brennstoff und dem zerkleinerten Raseneisenerz im Verhältnis von ca. 1:1,5.

Bei einer Temperatur von 1100 bis 1300 °C wurde ein Teil des Eisenerzes im halbfesten Zustand zu Eisen reduziert. Gleichzeitig bildete sich Schlacke, die durch Öffnungen aus dem Ofen in die Herdgrube geleitet wurde.

Während des ca. zehnstündigen Schmelzvorgangs musste die Glut durchweg belüftet und mit Sauerstoff angereichert werden. Da reichte die Muskelkraft der Fachleute oft nicht aus und die Zuschauer wurden bei der Bedienung der Blasebälge mit eingespannt.

Um 16 Uhr wurde dann der erste Rennofen geöffnet und das gewonnene Eisen entnommen. Noch im brennenden Zustand musste das Eisen von den „Schmieden“ mit kräftigen Hammerschlägen bearbeitet und von Schlacke und Holzkohleresten befreit werden. Ein äußerst spannender Vorgang, der von den Zuschauern mit kräftigem Applaus belohnt wurde. Erstaunte Gesichter gab es über die geringe Menge des gewonnenen Eisens, aber auch Hochachtung vor dem sehr hohen Zeit-, Material- und Arbeitsaufwand, den unsere Vorfahren seinerzeit aufwenden mussten. Die Ausbeute bei diesem Verfahren der Eisenverhüttung liegt gerademal zwischen 25 und 30 %.

Das Ergebnis dieses Workshops kann im ArchäoVisbek bewundert werden.