Fachgruppe Sütterlin - Wie entziffere ich alte Schriftarten?

2010 etablierte sich die Fachgruppe „Sütterlin“ beim Heimatverein Visbek. Unter der Leitung von Ludger Kock hat es sich diese Gruppe zur Aufgabe gemacht, alte Schriften, die sich auf historische Ereignisse in der Gemeinde Visbek beziehen, für die Nachwelt „lesbar“ zu machen. Hierbei handelt es sich keineswegs nur um Dokumente in Sütterlin, sondern auch um Schriftstücke, die in der (alt-) deutschen Kanzlei- und Kurrentschrift verfasst wurden. Umgangssprachlich werden in Deutschland fälschlicherweise oft alle deutschen Schreibschriften als Sütterlinschrift bezeichnet.

Die Fachgruppe „Sütterlin“ trifft sich jeden 2. Donnerstag im Monat um 19.00 Uhr in den Heimatstuben. Die Mitglieder der Gruppe übertragen in ihrer Freizeit alte Dokumente, die als Fotodateien vorliegen, in ihren Computer. Es handelt sich hierbei um Dokumente aus Archiven, wie z. B. Akten der Kirchspielvögte (Übertragungsverträge, letztwillige Verfügungen, Schuldanerkennungen etc.), Kirchenbucheintragungen, Firmenregister, Schatzungs-, Steuer-, Hausstätten- und Brandkassenregister sowie diverse Höfe-Akten ab dem 17. Jahrhundert.

Bei den Treffen werden die von den Einzelnen erfassten Schriften auf eine Leinwand projiziert und zusammen korrekturgelesen.

Die bearbeiteten Schriften werden u.a. in der Buchreihe „Visbek in alten Akten“ interessierten Heimatfreunden, Familien- und Heimatforschern zugänglich gemacht. Berichtigungen bezüglich der Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung nehmen die „Übersetzer“ nicht vor. Authentizität ist ihnen wichtig.

2014 erschien der erste Band der Reihe mit dem Titel „Flugwache Bremen 11 in Visbek“. Hierbei handelt es sich um die „Übersetzung“ der drei Tagebücher vom Gerhard Engelmann, dem Leiter der Flugwache Bremen 11, die in einem Bunker auf dem Erlter Esch in Visbek von 1932 bis 1945 stationiert war.

In 2016 wurde das Buch mit den Protokollen des Kirchspielvogtes und Notars Joannes Gerardus Hildemann aus dem 18. Jahrhundert veröffentlicht.

Unter dem Titel „Brandkassenregister des Kirchspiels Visbek aus den Jahren 1847 bis 1910“ erschien Weihnachten 2020 der dritte Band aus der Reihe „Visbek in alten Akten“. Das Werk vermittelt konkrete Angaben zu damaligen Gebäuden in der Gemeinde Visbek und zu den jeweiligen Besitzern, aber auch zum taxierten Wert der Immobilien. Eingetragen sind ebenfalls Hinweise zur Löschung eines Gebäudes infolge Abbruchs oder ein Verlust durch Feuer. Zur Veranschaulichung enthält der Band zahlreiche historische Fotos aus dem Fundus des Heimatvereins, einen Beitrag zur Geschichte des Feuerlöschwesens in der Gemeinde sowie einen Namensindex.

Weitere Veröffentlichungen sind im Zweijahres-Rhythmus geplant.

Interessierte sind jederzeit herzlich zum Mitmachen eingeladen.